Qualitätssicherung von Passivhäusern in Holzbauweise

Kriterienkatalog zur Qualitätssicherung in der Ausführung von Passivhäusern in Holzbauweise
Autoren: DI Heinz Geza Ambrozy, DI Kai Lange
Mai 2007
Ein Projektbericht im Rahmen der Programmlinie "Haus der Zukunft", Impulsprogramm Nachhaltig Wirtschaften
Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie
Modernes
energieeffizientes Bauen erfordert einerseits einen hohen Standard in der
Planung und andererseits einen ebenso hohen Standard in der Ausführung. Um das
positive Image des Passivhauses nachhaltig in der Bevölkerung zu verankern,
müssen die Qualitätsstandards eingehalten und Negativerfahrungen vermieden
werden. Bislang sind fast ausschließlich Qualitätssicherungssysteme für
Baustoffe bzw. -produkte und Haustechnikkomponenten im Einsatz, aber nur wenige
für die Kontrolle während der Ausführung.
Ziel dieses Projektes ist die Ausarbeitung eines Qualitätssicherungssystems für Passivhäuser in Holzbauweise bzw. Holzmischbauweise: einerseits die Erstellung eines Kriterienkatalogs zur Erkennung von möglichen Schwachstellen bzw. Fehlerquellen bei der Ausführung von Passivhäusern in Holzbauweise, sowie andererseits darauf aufbauend die Erarbeitung eines Baustellen-Tools zur Qualitätskontrolle während der Ausführungsphase auf der Baustelle.
Zu Beginn des Forschungsprojektes stand eine umfassende Recherche von Medien aus dem deutschsprachigen Raum zum Thema Qualitätssicherungssysteme in den Bereichen Holzbau, Passivhausbau und Haustechnik. Diese wurde um den Bereich der Bewertungssysteme im allgemeinen Gebäudebereich ergänzt. Mittels dieser Recherchen wurde das verstreut vorhandene Wissen konzentriert und in übersichtlicher Weise dargestellt. Eine Auflistung mit Kurzbeschreibungen der Qualitätssicherungs- und Bewertungssysteme steht nun als kompakte Informationsquelle den Anwendern zur Verfügung.
Als nächster Schritt
folgte die Analyse realisierter Bauabläufe.
Schemaschnitt GeschoßwohnbauFür die
Bauabläufe wurde zu jedem gängigen Holzbausystem – Holzrahmenbau,
Holzmassivbau, Holzskelettbau und Mischbau (Holz – mineralisch) – ein
geeignetes Projekt ausgewählt. Bei
der Wahl der Projekte wurde darauf Wert gelegt, Geschosswohnbauten bzw.
Mehrfamilienhäuser auszusuchen, welche typische Stellvertreter der jeweiligen
Bauweise sind. Die Bauablaufanalysen zeigen den vollständigen Ablauf der
Gebäudeerrichtung und der Zuordnung der einzelnen Arbeitsschritte zu den
Gewerken. Von diesem ausgehend wurde in
späterer Folge das Baustellentool in Form einer Checkliste für den
konstruktiven Holzbau ab Fundamentoberkante entwickelt.
Als erstes Projekt wurde das Gebäude „Smart housing“, Feldstraße, Brunn am Gebirge als Beispiel für den Holzrahmenbau (in der Hülle) analysiert.
Mit Hilfe dieser
Analyse wurden nun die fehlenden Bereiche für
einen Kriterienkatalog definiert und in enger Kooperation mit den Fachplanern
und ausführenden Firmen der analysierten Projekte ausgearbeitet. Die
Zusammenarbeit mit den Fachplanern und ausführenden Firmen sichert die
Praxistauglichkeit der erarbeiteten Lösungen.
Systemlösung HaustechnikZeitgleich mit den
Bauablaufanalysen und der Analyse der holzbauspezifischen Details wurde ein Kriterienkatalog für systemische
Haustechniklösungen und den dazugehörigen Detaillösungen erarbeitet: ausgehend
von verschiedenen möglichen konzeptionellen Ansätzen der Integration und
Funktionsweise von Lüftung und Heizung im Passivhausbau wurden die entsprechenden Details der Haustechnik im Holzbau
dargestellt sowie jeweils zum Bauablauf Bezug genommen. Hierfür wurden
Referenzbeispiele analysiert, vorhandene Details gesammelt und neue
Musterdetails entwickelt. Aus
den Hinweisen zur richtigen Planung und Ausführung der konzeptionellen Lösung
und der Haustechnikdetails ergab sich dann die
jeweilige Checkliste/das „Baustellentool“ für die projektspezifisch gegebene
Kombination von Bauart und Haustechnikkonzept.
Nach der Analyse aller Projekte und der Erstellung des Holzbau- und Haustechnik-Kriterienkatalogs wurden sämtliche Lösungen einer abschließenden Überarbeitung in den Bereichen Bauphysik und Tragwerksplanung unterzogen.
Der Kriterienkatalog:
Der Schwerpunkt des Kriterienkatalogs liegt einerseits in der passivhausgerechten Ausführung von haustechnischen Einrichtungen (Elektro-, Sanitärinstallation, Heizung, Lüftung) in Hinblick auf die Integration im Holzbau und die bauphysikalischen Parameter Luftdichtigkeit, Wärme-, Brand- und Schallschutz, sowie andererseits auf bausystembezogenen Lösungen (z. B: Holzrahmenbau, Holzmassivbau, Skelettbau, Mischbau). Vor allem der Zusammenarbeit einzelner Gewerke bzw. den daraus resultierenden Schnittstellen wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Das Baustellentool:
Der Kriterienkatalog liefert zusammen mit den Bauablaufanalysen schließlich die Grundlage für die Erstellung des Baustellentools, welches eine praxisgerechte Umsetzung der erarbeiteten Inhalte ermöglicht.
Das Baustellentool stellt an sich eine Neuheit im Bereich der baubegleitenden Qualitätskontrolle dar und soll für die Errichtung zukünftiger Passivhäuser in Holzbauweise maßgebend sein. Mit diesem Baustellentool werden je nach Ablauf- bzw. Ausführungsschritt Zielkriterien aufgelistet, die von den jeweils betroffenen Gewerken erfüllt werden müssen. Das Baustellentool dient auch nach der Fertigstellung als Qualitätsnachweis für die Ausführung des Passivhauses und ermöglicht dem Bauherrn, einen einfachen, nachvollziehbaren Überblick über die Ausführungsqualität des Passivhauses zu erhalten.
Sowohl das Baustellentool als auch der Kriterienkatalog sollen Planern, ausführenden Firmen und örtlichen Bauleitungen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, um eine qualitativ hochwertige Planung und Ausführung von Passivhäusern zu gewährleisten.
Das Projekt wurde im Rahmen der Programmlinie "Haus der Zukunft" - eine Kooperation des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie mit der Forschungsförderungsgesellschaft durchgeführt, die Veröffentlichung ist erhältlich unter:
http://www.hausderzukunft.at/results.html/id4591
Holzrahmenbau, Außenwand - Geschoßtrenndecke, Beispiellösung
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